Vertrauen - Die Königsdisziplin unter den Gefühlen

 

Gestern habe ich im Vorbeigehen folgenden Satz gehört: 

"Heutzutage kann man wirklich niemandem mehr vertrauen".

Zwei Frauen unterhielten sich auf sehr emotionale Art und Weise. Kann man sich durchaus vorstellen, wenn man über den Inhalt der zufällig aufgeschnappten Worte nachdenkt.

War dies nur so dahingesagt? Aus momentanem Ärger?

Ich hoffe sehr, denn ohne Vertrauen ... ohne Vertrauen wollte ich nicht leben müssen.

 

Was bedeutet VERTRAUEN?

Was heißt es, zu vertrauen?

 

VERTRAUEN heißt, von der Richtigkeit einer Situation, von der Redlichkeit eines Menschen überzeugt zu sein.

Es heißt, zu wissen, dass man in jeder Situation den nahe liegenden Schritt tun wird. Oder nicht tun wird. Etwas zu unterlassen kann also ebenso Vertrauen ausdrücken.

 

VERTRAUEN heißt, ich rechne damit, dass ich in einer Situation nicht stärker belastet werde, als ich es aushalten kann.

 

VERTRAUEN heißt, keine Angst zu haben.

 

Wir haben maximal genau so viel Vertrauen in Menschen, und damit in uns selbst, wie in die Person, der wir bis dahin das größte Vertrauen entgegen gebracht haben.

Das maximale Vertrauen ist in der Regel also nur so groß, wie wir es für die Mutter oder den Vater aufgebracht haben.

Bei im Kindesalter stark vernachlässigten Menschen wird es also eher niedrig anzusetzen sein.
Doch das kann nicht durchweg stimmen.

Das heißt, es gibt noch etwas mehr in Vertrauensschwachen Menschen als Misstrauen, sonst wäre Vertrauenszuwachs nicht möglich.

Es gibt die Sehnsucht, oder vielleicht auch Wissen, dass wirkliches Vertrauen, dass Hingabe möglich ist.

Hingabe in die Situation, in die Gegenwart, ist das größte Vertrauen, welches wir haben können.
Hingabe bedeutet, ich erhebe keinen Widerstand gegen das, was jetzt ist. Ich habe keine Angst. Ich nehme die Situation so an, wie sie ist. Ich fühle in mich hinein und spüre, ob sie für mich stimmig ist, oder nicht. Und folge meinem Impuls. Das kann bedeuten:

ich bleibe in der Situation und nehme sie weiterhin als stimmig an. Oder ich rege Veränderung an, weil ich Störungen wahrnehme. Oder ich verlasse die Situation, weil sie für mich unstimmig ist und ich sie nicht ändern kann.

Wir haben immer eine Wahl ...wir müssen nur in uns SELBST-vertrauen.

Eine recht spannende Studie der Berkeley Universität in Kalifornien kam zu dem Ergebnis, dass wir schon nach 20 SEKUNDEN instinktiv entscheiden, wem oder was wir vertrauen können, oder eben nicht.

Das gilt vor allem für Menschen mit hoher Empathie.

Allerdings, das muss man auch sagen, ist dies zu solch frühem Zeitpunkt nur ein Bauchgefühl. Ein Restmisstrauen bleibt.

Nur - warum ist das so?

Warum vertrauen und misstrauen wir gleichermaßen? Obwohl ersteres doch eindeutig die größeren Vorteile hat?

 

Nur allzu oft wird Vertrauen mit Vertrautheit verwechselt.

Beide Begriffe klingen ähnlich, sind aber allenfalls verwandt.

VERTRAUTHEIT entsteht, wenn man sich besser kennen lernt, eine Weile zusammenarbeitet oder miteinander Geschäfte macht.

 

Die jedoch im VERTRAUEN innewohnende Gewissheit, sich auf jemanden wirklich verlassen zu können, entsteht erst unter KRISENBEDINGUNGEN.

 

Es sind allein solche Schlechtwetterphasen, die den Rahmen für die Veränderung bilden, in welcher sich die Vertrautheit bewährt und in Vertrauen umwandelt. Oder auch nicht.

 

Ob wir nun vertrauen oder nicht - wie gesagt, wir haben immer die Wahl ...wir müssen nur in uns SELBST-vertrauen!

Nur sollten wir EINEN Gedanken niemals zulassen:

"Heutzutage kann man wirklich niemandem mehr vertrauen".

 

Ich wünsche allen unseren Lesern das, was sie verdient haben- glückliche Festtage mit vertrauensvollen Menschen.

Die Petra aus der Petra Apotheke.