Selbstcoaching

Heutzutage scheint es, als sei man ohne Coach nichts. Gefühlt jeder Dritte hat einen Coach. Und mit "Coach" meine ich nicht  jemanden wie Jogi Löw - nein, ich spreche von der Art Coach, der uns als neutraler, kritischer Gesprächspartner gegenüber sitzt und uns weiterhilft. Durch Coaching.  Durch strukturierte Gespräche, die alle Fragen und Probleme unseres Alltags betreffen. 

Ziel dieser Gespräche sollte sein, die eigene Einschätzung und die Entwicklung persönlicher Kompetenzen zu reflektieren und auszubauen.  Dabei betet uns der Coach die Lösung nicht vor - nein. Er hilft uns im allerbesten Falle, uns selbst zu helfen.

 

So, werdet ihr sagen, alles schön und gut - aber wir leben in einer Zeit der Pandemie. Und falls der Coach unseres Vertrauens nicht gerade in selbstgewählter Quarantäne sitzt, ist es Lock down-bedingt nicht unschwierig, irgendwo einen Termin zu bekommen, bei dem man auf eine fähige Person treffen wird.

Was nun? Müssen wir, wie immer, alles selbst regeln und stemmen? 

Das wäre meiner Meinung nach, gar nicht so schlecht. Wir werden unser eigener Coach.

 

Es gibt einige Dinge zu beachten, wenn wir uns selbst coachen wollen:

 

Absolute Ehrlichkeit

Leider macht sich der Mensch oft selbst etwas vor. Ehrliche Erkenntnisse über sich können schmerzhaft sein, und deshalb sucht man nach Ausreden, Entschuldigungen und Erklärungen, um sich dieser Erkenntnis nicht stellen zu müssen. Das vermeidet zwar kurzfristig unangenehme Gefühle, führt aber nur in eine Sackgasse. Deshalb ist Ehrlichkeit ein unbedingtes Muss.

 

Offenheit und Kreativität

Will man sich selbst coachen, um sein Potenzial zu entwickeln oder eine Blockade zu bewältigen, so hilft es nicht weiter, wenn man stur an den bisherigen Strategien fest hält – denn diese haben ja offensichtlich nicht funktioniert. Deshalb sollte man offen für Neues sein und auch kreativen Ideen eine Chance geben und sie nicht sofort verwerfen.

 

Geduld und kleine Schritte

Eine große Gefahr beim Selbstcoaching ist es, dass man sich zu viel auf einmal vornimmt und dabei zu hohe Erwartungen hat. Deshalb sollte man unbedingt darauf achten, ein Thema nach dem anderen anzugehen und dieses in kleinen Schritten zu bearbeiten. So kann man immer wieder Erfolge feiern und gerät nicht in übermäßigen Frust.

 

Wie geht man vor beim Selbstcoaching?

 

Ziel festlegen

Bei jeder Problem- oder Fragestellung musst Du Dir zuallererst über zwei Dinge klar werden:

Was genau soll das Ziel sein, das du mit dem Selbstcoaching anpeilst? Und vom Ziel rückwärts aus gesehen: an welchem Punkt stehst du gerade im Hinblick auf das Thema, um das es dir geht?

 

Ziele für das Selbstcoaching können zum Beispiel sein: 

- Neue Wege der Kundenakquise finden

- Angebot inhaltlich anders ausrichten

- Bessere Kommunikation mit deinen Angestellten oder Kollegen

- Arbeitstag sinnvoller oder effektiver strukturieren und deine Leistungsfähigkeit steigern

- Arbeit und Familie besser vereinen

- Alltagsprobleme souveräner bewältigen

 

Lege dein Ziel am besten schriftlich fest. Selbstcoaching kann nur funktionieren, wenn du auf ein ganz klares Ziel hinarbeitest. Ob du es am Ende erreichen wirst, hängt von mehreren Faktoren ab, aber du wirst es nie erreichen, wenn du es dir gar nicht erst setzt.

 

Ausgangspunkt definieren

Erst wenn du dein Ziel festgelegt hast, kannst du deinen Ausgangspunkt definieren. Das mag zunächst banal klingen, denn wahrscheinlich ist der Ausgangspunkt das genaue Gegenteil von dem, was du dir als Ziel gesetzt hast.

Frage Dich zum Beispiel:

- Was genau stimmt nicht?

- Woran merkst du, dass etwas nicht stimmt oder nicht funktioniert?

- Warum hast du diesen Wunsch oder dieses Ziel?

- Wie lange hast du das Ziel schon vor Augen, bist es aber noch nicht angegangen?

- Warum bist du es noch nicht angegangen? Was hat dich bislang daran gehindert?

- Wer genau ist Teil deines Problems?

- Wie haben die anderen, die Teil des Problems sind, bisher darauf reagiert?

- Welche Auswirkungen hat das auf dich, deine Gesundheit, deine Arbeit, auf die anderen?

 

Dies sind nur einige Fragen, die dir helfen können, deine Ausgangssituation zu erkennen. Wichtig dabei ist, dass du wirklich ehrlich zu dir bist, dass du nicht, um vor dir selbst gut dazustehen, manche Dinge auslässt oder beschönigst – du wirst am Ende doch nur feststellen, dass du dich selbst belogen hast. Und das ist nicht das Ziel des Selbstcoachings.

 

Bei Bedarf externe Hilfe suchen

Wenn du merkst, dass dich allein schon die Suche nach Ziel und Ausgangspunkt stark belastet, dann such dir Hilfe. Es kann sein, dass du auf dem Weg zum Selbstcoaching ins Stocken gerätst und die Suche nach Ziel oder Ausgangspunkt schleifen lässt. Dann setz dir versuchsweise einen realistischen Termin oder mehrere, bis zu denen du diesen Schritt gemacht haben kannst.

Du kannst jemanden einweihen, der zu den festgelegten Terminen nachprüft oder nachfragt, ob du das geschafft hast, was du dir vorgenommen hast. Das kann sehr gut helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden.

Wenn das aber alles nichts bringt, dann ist es entweder Zeit, sich doch einen professionellen Coach zu suchen, oder das Thema noch eine Weile ruhen zu lassen. Manchmal ist es einfach nicht der richtige Zeitpunkt für so etwas. Das gibt es. Ich bin ganz sicher nicht dafür, etwas anzufangen und beim kleinsten Problem sofort alles wieder hinzuschmeißen. Aber manchmal muss man mit genau so viel Engagement wieder aufhören, wie man angefangen hat. Denn ganz ehrlich -

wo kämen wir denn hin, wenn wir alles zu Ende bringen müssten, was wir jemals angefangen haben? 

 

Ich wünsche euch allen eine positive Zeit - lasst euch nicht von Kleinigkeiten aus der Bahn werfen.

Die Petra aus der Petra Apotheke.