Lesen hilft

Tagaus, tagein lesen wir im Netz.

Wir wollen alles verstehen, nur um letztendlich zu verstehen, dass wir nichts verstehen.

Diese Art von Lesen bringt uns nichts als Gereiztheit.

Im Gegensatz zu einem Buch. Ein Buch bringt Gelassenheit und Ruhe.

 

Der Tag an dem ich wieder angefangen habe zu lesen, war der Tag, an dem mich alles aufregte. Diese Aufregung über alles Bescheid zu wissen und zugleich über nichts. Bescheid wissen über Robotik, künstliche Intelligenz, Medizin, Politik, Verschwörungstheorien, Rechte, Linke, Mitte, oben, unten.

Und wozu? Um nervös und panisch zu werden angesichts der vielen Bedrohungen. So... und genau an diesem Punkt entschloss ich mich, tief durchzuatmen! Und mit dem, was von meinem reizüberfluteten Gehirn übrig war, nahm ich ein Buch zur Hand. Kein Sachbuch, keine Minigeschichte, kein Beipackzettel, kein Wahlprogramm. Nein, ein richtiges Buch.

Was für ein ungewohntes Gefühl auf den ersten Seiten: Text ohne Werbung, ohne Pixel, Seiten umblättern... Nach einem Tag hatte ich mich wieder ans Lesen gewöhnt.

Am vierten Tag geriet ich in einen Leserausch und nach einer Woche hatte sich mein Blick auf die Welt verändert. Die Welt um mich herum war langsamer geworden und bunter und weniger furchteinflößend.

Ich sah wieder Bäume und Vögel und nette Leute und Farben und war keine derer mehr, die ihrer Empörung durch das Kommentieren dämlicher Mitteilungen Raum verschaffen.

 

Das Lesen von Büchern, welches ich wegen Zeitmangels unterlassen habe, zeigte Wirkung. Es SCHENKTE mir Zeit! Meine Gedanken wurden schneller und bekamen wieder eine Kontur. Mein Geist erholte sich von der Unruhe des Alltags.

 

Ich lese. Ich klicke mich nicht mehr durch dreitausend Seiten im Netz, nur um am Ende nichts zu wissen.

Ich lese Bücher. Und meine Laune hat wieder geradezu ausgelassene Züge angenommen. Danke!