Vielen Dank für die herzliche Ausladung! Ich freue mich sehr!

Social Distancing ist nach wie vor das Gebot der Stunde. Auch wenn es uns nicht mehr täglich in 5 Sondersendungen via TV vermittelt wird. Man hält doch wie selbstverständlich Abstand zu fremden Menschen - also meine Familie und ich, wir versuchen das.

 

Es sollte ein rauschendes Fest werden. Der 50.Geburtstag einer guten Freundin. Das Haus im Schwarzwald war schon im Februar gemietet worden - für das kommende Wochenende. 

Alle sollen kommen. Auch wir haben schon vor langer Zeit zugesagt.

 

Aber jetzt schiebe ich seit drei, vier Tagen vor mir her, meiner Freundin mitzuteilen: Es tut mir leid, ich möchte gerade nicht zu deiner Geburtstagsfeier kommen. Ja, wegen des Coronavirus. Nein, auch dann nicht, wenn keine alten Leute, Asthmatiker/innen oder andere besonders gefährdete Menschen mitfeiern.

 

Sie wird traurig sein, wenn ich absage. Vielleicht sogar verärgert. Und gleichzeitig bin ich fassungslos, dass sie ihr Fest noch nicht selbst von sich aus gestrichen hat.

So, wie ich nicht glauben kann, dass auch andere Menschen aus meinem engeren  Arbeitsumfeld die Pandemie offenbar nicht ernst nehmen – und nach wie vor gemeinsame soziale Aktivitäten vorschlagen. Als würden alle gerade völlig grundlos morgens den Laptop am Küchentisch statt im Büro aufklappen. Verfolgt ihr eigentlich die Nachrichten? Gütersloh? Der Fleischkonzern Tönnies? Massenausbruch an Corona Neuinfektionen - 730 Erkrankungen bisher!

 

Ich möchte niemanden ermahnen oder belehren. Ich möchte nicht seit Langem geplante Geburtstagswochenenden absagen müssen und jemanden damit enttäuschen. Soziale Verpflichtungen nicht einzuhalten macht mir auch jetzt noch ein schlechtes Gewissen. Obwohl das im Moment eher meine Freundin haben sollte, finde ich. Ich möchte keine Spielverderberin sein.  Nicht das Sterillium des Bekanntenkreises. Aber wenn es denn sein muss und uns allen hilft, dann schlüpfe ich gerne in diese Rolle.

 

Mal ganz ehrlich : Ist es zu viel verlangt, sich nach wie vor etwas zurückzuhalten mit Sozialkontakten? Daheim zu bleiben, wenn man nicht unbedingt raus muss? Spinne ich? Oder spinnt mein Umfeld, welches zumindest in Teilen glaubt, unser Sozialleben könne fast ganz normal weitergehen?

 

Mich beschleicht der Verdacht, dass meine Freunde womöglich auch zu jenen Leuten gehören, die sich am kommenden Wochenende an den Cafétischen drängen werden, das erste Eis des Sommers in der Hand und die Sonnenbrille auf der Nase, nur ein paar Zentimeter Abstand zu Hunderten Mitmenschen. Wird doch solch ein schöner Sonnentag!

Tja, das dachten sich unsere Mitbürger in Berlin wahrscheinlich auch. Und nun stehen 13 Wohnhäuser und 369 Haushalte unter strenger Quarantäne und alle Schulen und Kitas im Stadtteil sind wieder geschlossen.

Die können ja jetzt alle zusammen Home- Schooling machen! Sind doch alles gute Freunde - bleibt ja in der Familie...