Die E-Scooter Plage

SEPTEMBER 2019 ... in Frankreich.

 

Zurück aus Paris. Zurück aus einer Weltstadt. Zurück aus der Stadt der 'Trotinette'. Was um Himmels Willen sind 'Trotinette', werdet ihr euch fragen? Zu Recht! Trotinette sind das wendige, flitzende Übel unserer Tage ... auch bekannt als E-Tretroller!

Diese kleinen Dinger haben sich in Paris, wie auch in jeder anderen großen oder kleineren Stadt zu einer echten Plage entwickelt. Touristen und Einheimische beklagen sich gleichermaßen, dass man pausenlos aufpassen müsse, nicht von seinesgleichen im Vollspeed über den Haufen gefahren zu werden.

Ein weiteres Ärgernis ist das Parkverhalten der E-Roller-Nutzer: Vogelwild werden die Dinger an jeder x-beliebigen Ecke abgestellt. Achtlos zurückgelassen in den engsten Gässchen oder vor Kopfsteinpflaster hurtig losgeworden, verschandeln sie das Stadtbild.

Doch Paris reagiert schnell: 'Trotinette' dürfen nur noch in Straßen mit Stellplätzen für Autos und Motorräder parken! Der Gebrauch in Parks und Gärten wird verboten! Wer sich nicht daran hält und erwischt wird, zahlt : es droht ein Bußgeld von 135 Euro, Wildparken kostet 35 Euro Strafe.

Warum reicht es nicht, gemütlich durch die Stadt zu flanieren, hier und da zu verweilen, den einen oder anderen Blick für ein gelungenes Foto zu erhaschen?

Nun. Wohl aus demselben Grund, warum Menschen unsere Seen derzeit mit übergroßen Aufblaseinhörnern, Flamingos, Donuts und Pizzastücken verschandeln. Das Blau des Wassers, das Grün der Wiesen, der wolkenlose Himmel - das genügt uns nicht mehr. Das übergroße Aufblastier ist für den See das, was der E-Roller für die Straße ist: ein maximal albernes Etwas, in dem sich der Neid der Großen auf die Spielgeräte der Kinder widerspiegelt. Aus lauter Missgunst haben sie diese ihren Körperdimensionen angepasst. Na dann...bonne route!

 

FEBRUAR 2020... in Deutschland.

Seit noch nicht all zu langer Zeit rollen die E-Scooter auch hierzulande durch die Städte, und sind wir mal ehrlich: Es ist alles noch viel, viel schlimmer als wir befürchtet hatten. Die Roller haben die Straßen vom Start weg befallen wie eine Insektenplage. Was im letzten Jahr die Wespen waren, sind nun die E-Scooter.

Für Karl Lagerfeld waren es einst die Jogginghosenträger, die jegliche Kontrolle über ihr Leben verloren haben – 2020 sind es alle Menschen, die sich auf eines dieser minderbemittelten Fahrzeuge stellen, am besten betrunken und zu zweit, weil: witzig. 

 

DIE E SCOOTER STEHEN GEFÜHLT ÜBERALL RUM

Allein: Witzig ist wirklich nichts an den Dingern. Uns fallen da spontan eher andere Attribute ein, zum Beispiel: nervig. Denn gefühlt stehen die E-Scooter seit dem ersten Tag ihrer ärgerlichen Existenz einfach überall herum, ob mitten auf dem Gehweg, auf der Wiese im Park oder sonst wo.

Sie verderben das Stadtbild nachhaltig, sind sie doch auch: verdammt hässlich. Und zwar nicht nur, wenn sie führerlos in der Gegend herumstehen, nein, sie verfügen auch über die seltene Fähigkeit, ihre Unschönheit auf den jeweiligen Fahrer abzufärben.

Das gilt übrigens insbesondere für Männer, deshalb hiermit ein gut gemeinter Hinweis an alle Dudes im Hipster-Viertel: Ihr seht aus wie unsportliche Trottel, wenn ihr auf diesen Rollern steht. Echt jetzt. Fahrt lieber Fahrrad oder geht zu Fuß.

Ist auch viel sicherer, schließlich sind E-Scooter nicht zuletzt, sondern vor allem eines: ganz schön gefährlich. Laut Stichproben der Verbraucherschutzbehörde erfüllen viele der Scooter, die zum Beispiel seit Januar im Hamburger Hafen angekommen sind, nicht die gesetzlichen Vorschriften. Von knapp 1800 kontrollierten Rollern hatten nur 300 das notwendige Siegel, um für den Straßenverkehr zugelassen zu werden.

 

Auch der ADAC hat Kritik geäußert: Es müsste eine bessere Sicherheitsaufklärung stattfinden, da es bereits im ersten Monat zu einigen Unfällen auf Straßen und Gehwegen gekommen sei. Es drohe sonst ein "Chaos".

DAS CHAOS IST NICHT NAH, ES IST SCHON DA!

Und das ist vielleicht der mysteriöseste Aspekt an dem ganzen E-Scooter-Quatsch: Ausgerechnet in einem hochreglementierten Land wie Deutschland, in dem nicht zuletzt auf den Straßen normalerweise nichts dem Zufall überlassen wird, gewährt man dem Verkehrsteilnehmer mit seinem Roller die völlig freie Fahrt.

Entsprechend überfordert sieht er seitdem häufig aus bei der Steuerung des Gefährts, nicht nur rein motorisch, sondern auch bei der Suche auf die Antwort nach der Frage, ob er denn nun auf dem Radweg, auf der Straße, oder doch lieber auf dem Gehweg fahren  solle. Schließlich könnte schon eine kleine Unebenheit im Asphalt aufgrund der Beschaffenheit der E-Scooter zu schweren Unfällen führen.

 

Das Chaos ist also nicht nur nah, wie vom Verkehrssicherheitsrat vermutet, sondern im Grunde genommen schon da. Aber es scheint, als brauche es erst einen medienwirksamen Totalschaden wie den tödlichen Crash der Influencerin Emily Hartridge, bis sich irgendjemand ernsthaft mit dieser katastrophalen Innovation auseinandersetzt.