Blutgruppe und Corona

Was uns gerade im Jahr 2020, vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, besonders aufrüttelt: Es wurden seit März einige wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht, die zumindest vermuten lassen, dass die Blutgruppen Einfluss auf den Verlauf einer Corona-Infektion nehmen könnten. Diese sogenannten Preprints (das sind Manuskripte, die noch nicht offiziell und absichernd begutachtet wurden) deuten an, dass die Blutgruppe A ein 50 Prozent höheres Risiko mit sich bringt, eine schwere Covid-19-Erkrankung durchzumachen.

Was hat es damit auf sich?

 

Im März 2020 stellten chinesische Wissenschaftler in den schwer von Corona betroffenen Städten Wuhan und Shenzen einen Vergleich der Blutgruppen von über 2000 Covid-19-Patienten mit denen von knapp 3.700 Gesunden an. Es zeigte sich, dass sich 41 Prozent der dort lebenden Menschen, die die Blutgruppe A haben, mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert hatten, dagegen nur 25 Prozent mit der Blutgruppe 0.

Auf der Basis der chinesischen Ergebnisse untersuchte im darauf folgenden Monat eine New Yorker Studie ebenfalls diesen Zusammenhang und fand auch hier unter den Covid-19-Infizierten deutlich mehr mit Blutgruppe A als mit Blutgruppe 0 – allerdings nur bei den Rh-positiven Blutgruppen.

 

Zuletzt stellte eine Mitte Juni veröffentlichte Vorab-Studie eines internationalen Forscherteams der Universitäten Kiel und Oslo diesen Zusammenhang heraus. 

Sie erschien im renommierten „New England Journal of Medicine“ und bestätigte die Aussagen eines zuvor veröffentlichten Preprints. Die Wissenschaftler aus Norddeutschland und Norwegen stützen sich auf Daten von mehr als 1.600 schwer an Covid-19-Erkrankten in italienischen und spanischen Corona-„Hotspots“.

Wie sich zeigte, tragen Menschen mit Blutgruppe A offenbar ein deutlich höheres Risiko für ein krankheitsbedingtes Atemversagen: Die Patienten mit Gruppe A mussten weitaus häufiger beatmet werden als Patienten mit anderen Blutgruppen. Eine weitere Vermutung: Menschen mit Blutgruppe 0 sind möglicherweise am besten gegen einen schweren Covid-19-Verlauf geschützt.

 

Ergebnisse in Frage gestellt

 

Während der Mediziner und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Vorveröffentlichung als „robust“ bezeichnet und die Hoffnung äußerte, das Ergebnis könne die Entwicklung von Medikamenten positiv beeinflussen, wurden bereits wenige Wochen später die deutsch-norwegischen Ergebnisse wieder in Frage gestellt.

Wie u.a. der SWR berichtet, ergibt sich dies aus einer neuen Studie von Forschern der Harvard Medical School. Für die Untersuchung wurden die Daten von fast 1300 positiv auf eine Corona-Infektion getesteten Menschen analysiert, von denen rund 500 im Krankenhaus behandelt wurden. In der Veröffentlichung der Studie in einem renommierten Fachjournal heißt es, die Blutgruppe nehme keinen Einfluss auf „eine schwere Verschlechterung der Symptome bei Menschen (...), die positiv auf COVID-19 getestet wurden“.

Allerdings gestehen die Wissenschaftler selbst ein, dass relativ wenige Patienten für die Studie untersucht worden seien. Die SWR-Fachjournalistin vermutet zusammenfassend, dass die Blutgruppe für die Schwere einer Covid-19 Erkrankung nur ein ursächlicher Faktor von mehreren sei.

 

Letztlich besteht wohl derzeit noch kein Anlass, allzu viel auf die zahlreichen Studien zum Zusammenhang von Blutgruppen und Krankheiten bzw. Krankheitsverläufen zu geben.

So warnt beispielsweise der Epidemiologe Jürgen May vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin im ARD-Wissensmagazins „Quarks“: Wenn man herausfinde, „dass zum Beispiel eine bestimmte Blutgruppe häufiger als andere Blutgruppen gepaart ist mit einem schweren Verlauf einer bestimmten Infektion“, sei dies noch nicht der Beweis dafür, dass es da einen tatsächlichen ursächlichen Zusammenhang gebe.

 

Was soll man nun dazu sagen?

Um die Ergebnisse der vielen Studien abschließend zu sichern, werden noch viele, viele weitere Forschungen nötig sein. 

 

Bleibt alle gesund -

Die Petra aus der Petra Apotheke.