Stress - Feind einer jeden Beziehung?

In den vergangenen Jahren haben Psychologen einen neuen und mächtigen Feind der Liebe entdeckt - Stress. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass er zu den größten Risikofaktoren für Beziehungen zählt. Warum schadet er der Liebe so sehr?

 

Stress scheint unserer Liebe den Garaus zu machen, möchte man meinen. Und dabei geht es nicht um die oft beschworenen kritischen Lebensereignisse wie Verlusterfahrungen, schwere Krankheiten oder Umweltkatastrophen. Es sind die kleinen Nadelstiche des Alltags, die die Liebe schleichend abtöten.

 

Doch wieso gefährden scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten wie beispielsweise die Kritik eines Vorgesetzten oder das bevorstehende Treffen mit Freunden – so etwas Großes wie die Liebe? Am Institut für Familienforschung im Schweizer Fribourg suchen Forscher seit Jahren nach Antworten und ihre Erkenntnisse gossen sie in eine Stress-Scheidungstheorie.

 

„Chronischer Stress kann Schlaflosigkeit, körperliche Beschwerden und Depressionen  auslösen und so eine Beziehung nachhaltig beeinträchtigen“, erklärt der Psychologe und Direktor des Instituts, Guy Bodenmann. Zudem würden durchaus vorhandene Kompetenzen bei Stress zusammenbrechen.  Besonders die Kommunikation leidet: Unter Anspannung wird viel mehr genörgelt und kritisiert, häufig im aggressiven Unterton – was einer klärenden Aussprache entgegensteht. Auch Merkmale wie Rigidität, Intoleranz oder Schwermütigkeit treten oft erst unter Belastungen zutage.  Schließlich unterhöhlt Stress das so wichtige Wirgefühl von Paaren. Wer unter beruflicher Dauerbelastung, wie z.B. ständigen Überstunden und/oder familiärer Überforderung steht, kann emotional nicht mehr ausgeglichen reagieren.  Stress ist somit ein schleichender Feind von Partnerschaften, er untergräbt sie heimlich und lange Zeit unbemerkt. Wie Rost an einer Eisenstange nagt Stress so lange an der Liebe, bis sie zusammenbricht. Doch sind wir diesem Zerfall hoffnungslos ausgeliefert?

Neuere Untersuchungen zeigen: Danach ist nicht das Ausmaß von Stress für die Qualität von Beziehungen entscheidend, sondern der Umgang mit den Belastungen. Mehr noch als die individuelle, scheint eine partnerschaftliche Stressbewältigung für eine glückliche Beziehung entscheidend zu sein.

Doch wie kann er aussehen, der gemeinsame Kampf gegen den Beziehungstöter Stress? Nach Meinung der Wissenschaftler vom Fribourger Familieninstitut ist dieser Kampf lernbar.                                                 Schleppt ein Partner den Stress von außen an, gibt es nur eins: „Der angespannte Partner muss seinen Stress klar und direkt ausdrücken“, rät Bodenmann. Nur so könne der andere eine angemessene Unterstützung anbieten. Die Hilfe kann dann ganz konkret erfolgen: Mithilfe bei der Suche nach Lösungen für das Problem oder Schaffung von Freiräumen durch eine bessere Organisation des Alltags.

Da Stress viel mit Gefühlen zu tun hat, darf die emotionale Seite der Stressbewältigung nicht vernachlässigt werden.Verständnisvolles und interessiertes Zuhören ist ein erster Schritt. Gutes Zureden und Mut machen können angebracht sein. Ganz wichtig ist, sich mit dem gestressten Partner zu solidarisieren. Doch gut gemeint, ist noch nicht gut gemacht. Die Unterstützung darf nicht zu Bevormundung oder Abhängigkeit führen.

Doch was ist, wenn der Stress über beide Partner gleichzeitig hereinbricht? Wenn der andere als ausgeruhte Stütze weg fällt? Schließlich betreffen viele Belastungen beide Partner: Die Geburt eines Kindes, ein bevorstehender Umzug oder ein Jobwechsel. Da Stress immer ein subjektives Ereignis ist, sollten die Partner zuerst ihre Einschätzungen von der Situation vergleichen. Bei der gemeinsamen aktiven Bewältigung sollte man dann klar die sachliche von der emotionalen Ebene unterscheiden.       Oft jedoch verschleiern Gefühle den Weg zur nüchternen Lösung. Emotionaler Stress wird von den meisten Paaren als noch belastender erlebt als sachlicher. Doch auch hier lautet die Devise der Forscher: Gemeinsam kämpft man besser. „Partner können hier enorm viel Kraft voneinander beziehen“, sagt Bodenmann. Zunächst sollten die Partner über gegenseitiges Verständnis näher zusammenrücken. Nach der Devise: Der Partner wird zu meinem stärksten Verbündeten. Gemeinsame Tätigkeiten können dann zur aktiven Bewältigung eingesetzt werden. „Sport oder gemeinsame Unternehmungen  sind hier besonders wirksam“, sagt Bodenmann. Über diesen Weg führe der gemeinsame Kampf gegen Stress nicht nur zur Reduzierung der Belastungen. Er führe auch zum Wachsen des Vertrauens zwischen den Partnern. Es wird die Gewissheit etabliert, dass auf den anderen Verlass ist. Dies alles stärke die Partnerschaft für eine gemeinsame, glückliche Zukunft.

Ich wünsche jedem Einzelnen von Herzen, dass er seinen Weg zur emotionalen Stressbewältigung findet.

Die Petra aus der Petra Apotheke.